Als Federer vor Wut bebte

Der Tagi erinnert im Hinblick auf das 25. Duell zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka von heute Nacht (2 Uhr in der Früh) an die Begegnung im Jahre 2017 in Indian Wells. Der Baselbieter siegte und Wawrinka revanchierte sich bei der Zeremonie mit den Worten: «Roger lacht. Er ist ein Arschloch.»

Trotz des spektakulären Kraftausdrucks ist es die falsche Begegnung, wenn es darum geht, die Tennisfans für das Spiel zwischen den beiden Schweizern heiss zu machen. Denn eine Partie war viel spektakulärer und wurde Ende Saison prompt auch zum «Tennismatch des Jahres» gewählt: der Halbfinal 2014 der ATP World Tour Finals in London. Die beiden bekämpften sich in dieser Tennisschlacht, als ob es kein Morgen und vor allem keinen Davis-Cup-Final eine Woche später gegeben hätte. Jahrelang war der Romand der Loser vom Dienst gewesen, die ewige Nummer 2 hinter dem Strahle- und Landsmann aus der Deutschschweiz. Doch nun hatte er sich erfrecht, am Thron von King Roger zu rütteln. Das wollten sich die Federers nicht bieten lassen – weder Roger noch Gattin Mirka: «Cry Baby» rief sie in Richtung des Romands, obwohl dieser doch seit neuestem Stan The Man genannt wurde.

Roger Federer bebte vor Wut, wenn er gerade einen Verlustpunkt erlitten hatte; selten habe ich in seiner langen Karriere einen solchen Furor in seinen Augen gesehen. Kein Thriller hätte spannender verlaufen können als dieses Spiel. Federer wehrte nicht weniger als vier Matchbälle ab und siegte am Ende 4:6, 7:5, 7:6. Ein paar Stunden später konnte er nach der Anstrengung kaum mehr gehen, der Rücken war blockiert, die Gelenke und Muskeln schmerzten, sodass er schliesslich am Finaltag in Alltagskleidern auf dem Court angekrochen kam und Forfait erklären musste.

Trotzdem reichte es gegen ein inferiores Frankreich nur wenige Tage später zum erstmaligen und einzigen Schweizer Davis-Cup-Triumph. An Federers Seite: Stan Wawrinka. Die beiden spielten zusammen, als ob da nie etwas gewesen wäre. Der Abschluss einer total verrückten Woche.