Das Spiel ist aus – auch der Sport muss sich dem Corona-Virus beugen

Das Spiel ist aus. Auch der Sport und seine Anhänger, zu denen ich mich ebenfalls zähle, müssen anerkennen, dass es sich nur um eine der schönsten Nebensachen handelt. Deshalb sind alle Meisterschaften und Sportveranstaltungen abzusagen. Alles andere wäre fahrlässig, es geht hier um Wichtigeres. Dieses Herumgewurstle, dass jeder Ort, jede Provinz, jedes Land, jede Gesundheitsbehörde andere Regeln aufstellt, muss aufhören. Nur schon dieses unsägliche Hin und Her vor dem Spiel des FC Basel gegen Eintracht Frankfurt – zuerst das Rückspiel als Geisterpartie in Basel geplant, dann überhaupt kein Spiel, dafür aber das Hinspiel mit Zuschauern in Frankfurt, dann doch keines mit den Fans, sondern nur ein Geisterspiel. Und nun noch die Befürchtung, dass trotzdem eine Vielzahl von Deppen vor dem Stadion aufkreuzt, weil sie den Ernst der Lage nicht erkannt haben. Die Bilder aus Paris, wo Tausende von Anhängern trotz Corona-Virus vor dem Stadion zusammengepfercht den hoffentlich bald wertlosen Sieg von Paris St. Germain feierten, waren unglaublich peinlich und bestätigen wieder mal das Klischee, dass Hirn und Anstand verloren gehen, wenn der Ball rollt.  

Asche auf mein Haupt – ich war am vergangenen Samstag selber in Freiburg im Schwarzwaldstadion, um über SC Freiburg gegen Union Berlin zu berichten. Ich bereue es mittlerweile. Es war ein Fehler. Ich hätte zu Hause bleiben sollen. 24'000 Zuschauer auf engstem Raum im Stadion und zuvor im ÖV – so wird man dem Coronavirus nicht Herr. Denn die Lage ist dramatisch, man schaue nach Italien – wo alles stillsteht. Möglich, dass auch wir bald so radikal agieren müssen. 

Die Corona-Epidemie wird uns noch längere Zeit beschäftigen: Die Prognose der deutschen Bundesregierung, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung sich mit dem Virus infizieren werden, lässt keinen anderen Schluss zu. Nachdem jetzt auch die ersten Sportler erkrankt sind, rechne ich damit, dass in nächster Zeit alle grösseren Veranstaltungen abgesagt werden. Die Eishockey-WM und die Fussball-EM sind für mich bereits erledigt. Auch die Olympischen Spiele in Tokio stehen auf der Kippe, obwohl es noch vier Monate bis dorthin sind. Bei einer weltweiten Pandemie ist diese Zeitspanne jedoch sehr wenig. Ich finde deshalb, dass IOC-Präsident Thomas Bach besser daran täte, mit den japanischen Organisatoren schleunigst einen Plan B auszuarbeiten, als die Sportler anzuhalten, ganz normal weiterzumachen, als ob nichts geschehen werde. Weltfremder kann man nicht sein! Was beim IOC allerdings keine neue Erkenntnis ist.