Die Vertragsverlängerung mit Petkovic kommt zu früh

Vladimir Petkovic bleibt also mindestens bis Ende 2021 Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Es ist kein Fehler, dass der Fussballverband mit ihm weiterarbeiten will. Falsch ist nur der Zeitpunkt für diese Verlängerung. Man hätte zuerst die Fussball-EM abwarten und einen neuen Vertrag mit Petkovic davon abhängig machen sollen, wie sich die Schweizer Fussballer an der Endrunde präsentieren. Begeistern sie, hat Petkovic die Verlängerung für die nächste WM-Qualifikationsphase redlich verdient. Falls aber nicht, hat man ein Problem. Dann könnte es teuer werden, wenn man sich doch von ihm trennen muss.

Wir erinnern uns: Während die EM vor vier Jahren in Frankreich einigermassen okay war – die Schweiz verlor gegen Polen im Achtelfinal unglücklich durch Penaltyschiessen –, wurde die WM 2018 in Russland zur riesigen Enttäuschung und zum Turnier der verpassten Chance. Mit Angsthasenfussball wollte man den biederen Schweden beikommen und musste stattdessen den grossen Traum vom Viertelfinal begraben; nie wäre es einfacher gewesen, an einer Endrunde endlich mal für Furore zu sorgen. So, wie dies auch anderen Aussenseitern immer wieder gelingt, etwa Griechenland an der EM 2004 (Europameister) oder Wales (Halbfinal) und Island (Viertelfinal) an der EM 2016. Dazu gab es eine riesige Polemik um die Doppeladler-Affäre im Schweizer Team und ein Kommunikations-Debakel mit Vladimir Petkovic, der nach dem Turnier abhaute, ohne sich nochmals zu erklären.

Die Medien schossen in ihren Analysen zur WM scharf gegen den Fussballlehrer. Beispiel NZZ: «Den Schweizern fehlten die Kraft in den Beinen, der Drang im Herzen, die Ideen im Kopf. Ihnen fehlte die Wut im Bauch. Sie siechten der Niederlage in einem eigenartigen Trott entgegen.» Einem Trott, der in etwa dem Temperament entspricht, mit dem sich Petkovic in der Öffentlichkeit jeweils präsentiert: Bei ihm wirkt jedes Interview als lästige Pflichtaufgabe. Der schweizerisch-kroatische Doppelbürger zählt zur Kategorie Trainer, die ihre Arbeit am liebsten im stillen Kämmerlein (in diesem Fall die Kabine) verrichten würden, ohne sich je erklären zu müssen. Dabei gehört eine überzeugende Aussendarstellung ebenfalls zum Jobprofil eines guten Nationaltrainers dazu.

Schliesslich noch ein Wort zum ach so tollen Punkteschnitt, der immer als Argument für Petkovic angeführt wird – auch jetzt bei dieser Vertragsverlängerung. Ja, unter ihm haben die Schweizer einen ansehnlichen Schnitt von 1,87 Punkten pro Spiel ergattert. Man sollte sich allerdings auch mal die Gegner anschauen, gegen die die Schweizer fleissig punkteten. Da hat es so viele schwache Teams wie unter keinem anderen Nationaltrainer. Nämlich Färöer, Andorra, Weissrussland, Panama, Gibraltar, San Marino, Liechtenstein, Estland und andere mehr – einige von ihnen waren übrigens die Schweizer Gegner in den aufgeblähten Qualifikationen. Dass die Schweiz in diesen den Sprung an die Endrunden schafften, war angesichts der eher mediokren Gegnerschaft Pflicht und keine Heldentat.

Deshalb nochmals: Man hätte zuerst abwarten müssen, was die Schweizer Nationalmannschaft unter Vladimir Petkovic an der EM 2020 zeigt – um dann in Ruhe zu entscheiden, wie es mit dem Nationaltrainer weitergeht. Warum nur diese Eile?