Ist Lucien Favre wirklich so gut, wie alle immer sagen? Zweifel sind angebracht!

Es ist bekannt, dass Dortmund-Trainer Lucien Favre kein Freund von Interviews ist, erst recht nicht von diesen kurzen Frage-Antwort-Spielen unmittelbar nach Schlusspfiff einer Partie. So war auch nichts zu erwarten, als er sich nach dem verlorenen Cupspiel seiner Mannschaft gegen Werder Bremen vor die Kamera stellte. Und tatsächlich: Hilflos stammelte Favre sich durch seine Antworten. Seine Mannschaft habe das Spiel in den ersten 45 Minuten verloren. Sein Team sei schlecht gewesen – vor allem in der ersten Halbzeit. Weshalb das so war, darauf ging er mit keinem Wort ein, und auch der Reporter verpasste es leider nachzufragen.
 Dabei war es offensichtlich: Favre hatte selber einen kapitalen Fehler begangen – er hatte Erling Haaland in der so schwachen ersten Hälfte auf der Bank schmoren lassen. Ein Grund ist nicht zu erkennen, weshalb er dies tat. Vielleicht wollte er dem Jungen damit zeigen, dass er in der Hierarchie der Mannschaft noch nicht oben steht. Dabei ist Haaland ein Geschenk des Himmels, der Fussballgötter. Die halbe Welt war hinter dem 19-Jährigen her, Dortmund aber erhielt den Zuschlag – und in den ersten drei Spielen bewies er ohne Anlaufzeit sofort eindrücklich, dass die Vorschusslorbeeren berechtigt waren. Haaland spielte in jedem Spiel überragend, so überragend, dass er zwingend aufs Feld gehört. Haaland muss immer spielen. Mit ihm ist Dortmund doppelt so gut. Doch der gute Lucien Favre schaffte es nicht, über seinen Schatten zu springen. Und setzte den Norweger auf die Bank. Unverständlich. Denn kaum wurde er eingewechselt, war Dortmund eine ganz andere, viel bessere Mannschaft.
 Es ist ein Rätsel, weshalb Lucien Favre von allen in den Himmel gelobt wird. Auch als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft wird er immer wieder gehandelt (auch wenn er jedes Mal selber absagt). Was die kommunikativen Fähigkeiten anbelangt, wäre das allerdings keine Verbesserung gegenüber Vladimir Petkovic, so spröde dieser in der Aussendarstellung auch sein mag. Fakt ist: Favre wurde schon zweimal Trainer des Jahres in der Bundesliga, einen Titel hat er allerdings noch nicht erreicht, ausser mit Dortmund den Supercup, ein Wettbewerb, den man den Hasen geben kann. Mit dem FCZ hatte er Erfolg, aber das ist schon eine Ewigkeit her. Dafür ziehen sich eigentümliche Personalentscheidungen wie ein roter Faden durch seine Trainerkarriere. Nur ein ausgewähltes Beispiel: Bei Hertha BSC überwarf er sich ausgerechnet mit Marko Pantelic, der im Sturm Alleinunterhalter und fast an allen Toren beteiligt war. Irgendwann hatte Pantelic vom Trainer die Nase voll, er ging zu Ajax – wenig später wurde Favre entlassen. Er hatte seinen Teil dazu beigetragen, dass die Hertha später abstieg.
 Bei Dortmund schafft er es aktuell nicht, den hochtalentierten Mario Götze zu reintegrieren, Marco Reus und Manuel Akanjii suchen seit längerem nach ihrer Form. Reus fällt nun auch noch aus, was sich aber als Glücksfall herausstellen könnte: Vielleicht bleibt nun Favre nichts anderes übrig, als Haaland von Anfang an zu bringen. Sicher ist das allerdings nicht.