Bis die Luft endgültig raus ist: Wie der Fussball kaputt gemacht wird

Sie lernen einfach nichts. Die Totengräber des Fussballs. Dieses Mal sind es Gianni Infantino und die Konsorten der Fifa. Die Fussball-WM soll künftig alle zwei Jahre durchgeführt werden, nicht bloss mehr jedes vierte Jahr. So der Antrag von Saudi-Arabien, seit jeher Fussballgrossmacht. Deshalb will die Fifa eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Klar, dass dort als Ergebnis herauskommt: So etwas ist möglich. Die Begründung nahm Infantino übrigens bereits vorneweg: Es gehe darum, liess er verlauten, Nationalmannschaften «öfter die Chance auf den Titel zu ermöglichen». Was für eine lächerliche Begründung. Es geht einzig und alleine darum, dass Infantino der Fifa und damit auch sich selber öfter die Chance ermöglicht, noch mehr Tasche in die Geld zu stecken.

Die Totengräber des Fussballs. Sie bekommen den Hals einfach nicht voll. Obwohl die Verdichtung des Fussballs den Fans zum Halse heraushängt. Bald spielt … ähm … wer schon wieder im Final der völlig aufgeblähten Champions League? Ich habe in meinem Fussballerkollegen-Kreis herumgefragt: Über die Hälfte weiss es nicht, und der Rest interessiert sich ebenfalls nicht dafür.

Noch dramatischer fällt die Umfrage aus, wenn es darum geht, den letzten Sieger der Klub-WM zu nennen. Am häufigsten zu hören: «Klub-WM? Nie gehört.» Dabei war es der FC Bayern München, der diesen grossartigen Titel, den niemand braucht, gewonnen hat. Gegen UANL Tigres… UANL who? Austragungsort der Klub-WM: Katar. Na grossartig.

Was die Fans von den grossspurigen Plänen der Entscheidungsträger halten, mit immer neuen Wettbewerben und irrwitzigen Austragungsmodi 365 Tage im Jahr 24 Stunden lang Fussball zu generieren, war letzthin zu sehen, als die Idee einer Super League mit einem exklusiven Zirkel an Vereinen wegen der Proteste krachend scheiterte. Doch die Totengräber machen immer weiter.

Die Fussball-WM ist (noch) etwas Besonderes. Was auch mit ihrer Verknappung zu tun hat. Deshalb will jeder Fussballprofi teilnehmen, will jeder Fussballfan sie sehen. Findet sie jedes zweite Jahr statt, verliert sie ihre Magie. Überhaupt: Wie soll das gehen mit all den Qualifikationsspielen? Alle vier Jahre steht zudem eine EM, der Africa Cup, die Copa America auf dem Programm, ebenfalls mit umfangreichem Qualifikationsprozedere. Vermutlich läuft es darauf hinaus, dass die erfolgreichsten Länder bei der WM von vornherein qualifiziert sind. Dann kann es auch nicht mehr passieren, dass ein Big Player scheitert – so wie 2018 Italien und Holland. Sollen sich die Kleinen wie Luxemburg, Liechtenstein oder Andorra durch die Qualifikation mühen. Interessiert Infantino ohnehin nicht, genau so wenig wie die Meinung der Fussballfans.