Ciriaco Sforza ist nicht der richtige Mann

Die Ära von Ciriaco Sforza als Trainer des FC Basel ist vorbei. Das wird nichts mehr. Durchhalteparolen sind überflüssig. 

Der FC Basel hat in der Vergangenheit schon andere beschämende Niederlagen eingefahren – zum Beispiel das 1:7 unter Marcel Koller gegen YB oder das 1:8 unter Christian Gross gegen Sion –, doch diese Pleiten sind nicht mit der 2:6-Schmach gegen Winterthur zu vergleichen. Winterthur ist nicht YB und nicht Sion und war zuletzt mit drei Niederlagen selber in der Krise, gegen Stade Lausanne war der Verein gleich mit 0:3 untergangen; dieser FC Basel war deshalb der ideale Aufbaugegner für das Challenge-League-Team aus dem Kanton Zürich – Aufbauhilfe Nordwest sozusagen. 

Ciriaco Sforza muss auch deshalb gehen, weil die Mannschaft unter ihm regelrechte Zerfallserscheinungen zeigt. Die Basler wirken lust- und leblos, kommen sooft zu spät, dass man das Gefühl hat, der Gegner spiele mit einem Mann mehr. Die Körpersprache der Spieler auf dem Platz signalisierte gegen Winterthur: Hoffentlich ist dieser Schrecken bald vorbei. Silvan Widmer und Afimico Pululu schlichen verletzt vom Platz – und waren am Ende vermutlich sogar noch froh, von dieser Pein, auf dem Rasen zu stehen, vorzeitig erlöst worden zu sein. Die Mimik der Ersatzspieler draussen (vor allem Arthur Cabral wurde immer wieder gross eingeblendet – siehe auch Foto) verriet eine Mischung aus Gleichgültigkeit und – ja, auch Schadenfreude, im Sinne von: Selber schuld, das kommt davon, wenn man die wichtigsten Leute draussen lässt. Auf Fabian Frei und Eray Cömert hatte Sforza von vornherein verzichtet. Es war in den vergangenen Monaten nicht der einzige sehr eigenwillige Entscheid des Trainers, der nicht aufging. 

Auf die Mitschuld der Führungsetage ist in einem anderen, nächsten Beitrag einzugehen. Hier geht es nur um Ciriaco Sforza. Und um den einzigen zulässigen Schluss, den die Auftritte dieser «Mannschaft» mitsamt ihrer Leistungskurve in dieser Saison erlauben: Das Intermezzo mit ihm als Trainer der ersten Mannschaft muss beendet werden. Am besten sofort. Als Nachwuchstrainer wäre er besser aufgehoben, zumal es immer heisst, er könne es so gut mit jungen Spielern. Bei den gestandenen Profis scheint dies weniger der Fall zu sein. Sforza spricht gerne vom «Miteinander», fällt seinen Spielern aber gleichzeitig in den Rücken und massregelt sie in der Öffentlichkeit: Nach der Niederlage gegen den FCZ bekamen Cömert und Zhegrova ihr Fett ab. Ein guter Trainer macht das nicht, Kritik ist etwas für die Kabine. Was Sforza zeigt, ist schlechter Stil. Wie es geht, hat Marcel Koller letzte Saison eindrücklich bewiesen.

Sehr ungeschickt auch die Fehde mit Topskorer Arthur Cabral, der unter Sforza im Vergleich zum starken Vorjahr nicht mehr zu erkennen ist – was aber immer noch reicht, um für die meisten Treffer im Team verantwortlich zu sein. Überhaupt kann man feststellen: Kein einziger Spieler ist unter Ciriaco Sforza besser geworden, viele aber sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bei einigen ist die Form mittlerweile besorgniserregend. Ricky van Wolfswinkel, um ein Beispiel zu nennen, war schon unter Marcel Koller nicht mehr über alle Zweifel erhaben. Doch nun ist er zum Ärgernis geworden und daran, sein einstmals gutes Standing bei den Fans endgültig zu verlieren. Gegen Winterthur hätte er alleine vor dem Tor zum 3:5 verkürzen können (womit es vielleicht tatsächlich nochmals spannend geworden wäre), doch heraus kam ein mickriges Schüsschen genau auf den Torhüter. Oder Timm Klose: Er hat in der Vergangenheit bei Norwich eindrücklich gezeigt, was er kann, und wäre bei Rotblau von der Erfahrung her eigentlich zum Leader geschaffen. Davon ist derzeit aber in dieser führungslosen Mannschaft nichts zu sehen. 

Es gibt nichts und wirklich rein gar nichts, das darauf hindeutet, dass die Situation besser werden könnte. Im Gegenteil: Der FCB spielt längst wie ein Abstiegskandidat. Wie schnell es gehen kann, haben in der jüngsten Vergangenheit der FCZ und GC gezeigt, die nach ähnlichen Krisen beide abstiegen. Nach Verlustpunkten hat der FCB immer noch acht Punkte Vorsprung auf den Barrage-Platz; darauf verlassen darf und kann er sich nicht. 

Ciriaco Sforza war zur falschen Zeit am falschen Ort und hat selber viel falsch gemacht. Er ist sicher nicht für alles verantwortlich, aber zumindest für soviel, dass er den Trainerstuhl räumen muss. Sofort.