Hingis und Meta Antenen rein, Morerod und Hess raus

Besten-Listen sind etwas Hochspannendes. Ausser der beste Schweizer Sportler aus den letzten 70 Jahren wird gewählt – so wie es dieses Jahr an den Sport Awards am 13. Dezember geschehen wird. Da kommt sowieso nur Roger Federer in Frage. Deshalb kann man getrost darauf verzichten, die übrigen Kandidaten zu erwähnen (nur soviel: Motorrad-Weltmeister Tom Lüthi ist nicht darunter).
Anders bei den Frauen. Da gibt es zwar auch eine klare Favoritin: Vreni Schneider wird zu Recht mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent gewählt werden. Aber die Liste der Nominierten gibt zu Diskussionen Anlass. Aufgeführt werden auf dieser Liste nebst «Gold-Vreni»: Denise Biellmann, Ariella Kaeslin, Lise-Marie Morerod, Simone Niggli-Luder und Erika Hess. Sicher alles erfolgreiche und verdiente Sportlerinnen, aber: Es hat zu viele Skifahrerinnen darunter. Eine, eben Vreni Schneider, reicht allemal.
Viel lieber hätte man Martina Hingis nominiert, was aber offenbar nicht ging, weil wegen Dopings Verurteilte nicht wählbar sind. Ich bin zwar absolut für eine harte Bestrafung gedopter Sportler, aber bei Hingis verhält es sich anders: Das Kokain ist damals sicher nicht in ihren Körper gelangt, weil sie ihre Leistung steigern wollte... Wie auch immer: Mit ihren Erfolgen in der Weltsportart Tennis würde Hingis zwingend auf diese Liste gehören, auch wenn sie wohl keine Chancen auf den Sieg hätte: Erstens ist die Ski-Lobby unglaublich stimmenstark an solchen Wahlen, zweitens hat Hingis trotz allem in der Schweiz nie die Anerkennung bekommen, die ihr gebührt hätte.

Unesco-Fairnesspreis für Antenen
Und als weitere Kandidatin hätte man auch die Leichtathletin Meta Antenen auf die Liste nehmen müssen, die ebenfalls in einer Weltsportart für Furore sorgte. Sie wurde 1966 gar zum «Schweizer Sportler» gewählt, als die Wahl noch nicht geschlechtsspezifisch erfolgte. Bereits mit 15 brach sie den Schweizer Rekord im Weitsprung. Später kamen weitere Bestmarken hinzu – unter anderem die 6,73 Meter ebenfalls im Weitsprung, die 39 Jahre lang als Schweizer Rekord Bestand haben sollten. Ihre Leistungen waren umso bemerkenswerter, weil sie damals ganztags als Elektrozeichnerin arbeitete. Nach ihrer EM-Silbermedaille 1971 erhielt sie übrigens von der Unesco die Fairness-Medaille, weil sie ihrer Gegnerin so herzlich gratuliert hatte, obwohl diese beim Weitsprung mit den viel besseren Windverhältnissen angelaufen war. Ein Grund mehr, sie auf die Liste der grössten Schweizer Sportlerinnen zu nehmen.