Marcel Koller hat einen guten Job gemacht

Wenn es um die Bilanz von Marcel Koller geht, dann kann man sich kurz fassen: Auch wenn das letzte Spiel unter ihm, der Cupfinal, verloren ging – Koller hat einen guten Job gemacht. Angesichts der Unruhe im Verein hat er tatsächlich fast schon einen Orden verdient. Der eine oder andere bezeichnete ihn als Langweiler oder mag sich über seine gelinde gesagt sehr zurückhaltende Art geärgert haben. Genau diese äusserlich kühl anmutende Reserviertheit aber brauchte es, um das Feuer auszuhalten, das beim FC Basel unter dem Dach brannte und noch immer brennt. 

Wenn man dem Zürcher einen Vorwurf machen kann, dann jenen, dass er hin und wieder eigentümliche Entscheide bei der Aufstellung traf, die nicht aufgingen. So etwa in der Anfangszeit im Sommer 2018, als er sich auf Zypern arg vercoachte und sein Team gegen Limassol in der Europa League die Segel streichen musste. Er verlor damals bei der Mannschaft abrupt an Ansehen, sodass es wenige Wochen später gar zur Spielerrevolte kam. Umso erstaunlicher, wie er nachher den Tritt fand und bereits in seinem ersten Jahr mit dem Cupsieg den ersten Titel mit dem FCB feiern durfte. Besonders viel Geschick zeigte er, als er Fabian Frei als Captain entmachtete und auf Valentin Stocker setzte. Beide überzeugten in der Folge mit starken Leistungen; dass Frei sich wieder hauptsächlich auf den Fussball konzentrieren sollte, tat ihm gut.

Die diesjährige Saison von Rotblau war in der Europa League, im Cup und mit Abstrichen auch in der Super League ziemlich okay – mit den Abstrichen sind die ärgerlichen Niederlagen gegen die schwächsten Team der Liga gemeint, die den Titel kosteten. Überzeugend auch, wie Koller Spieler wie Campo, Cabral, Petretta oder zuletzt Pululu zu Leistungsträgern machte.

Oft ist es ja so, dass der Wert eines Trainers erst erkannt wird, wenn er wieder weg ist. So wie bei Urs Fischer beispielsweise, der sich ebenfalls dem Vorwurf ausgesetzt sah, dass er sein Team mit Schlafwagenfussball zum doppelten Meistertitel geführt hatte. Als die neue Führung unter Präsident Bernhard Burgener seinen Vertrag nicht mehr verlängerte, Nachfolger Raphael Wicky danach aber deutlich weniger erfolgreich agierte, trauerten viele Anhänger Fischer plötzlich doch wieder nach – der Schlafwagenfussball wurde nun mit zeitlichem Abstand als kompakte, resultatorientierte Taktik gelobt. Zu spät.

Man darf gespannt sein, wie es nun mit Ciriaco Sforza weitergeht; wie auch immer man sich zu ihm stellen mag, eine Chance hat auch er verdient. Dazu an dieser Stelle bald schon mehr.