So muss die Schweiz spielen

Die Schweiz hat die Chance, gegen die Türkei die pitoyable Leistung gegen Italien und das enttäuschende 1:1 gegen Wales auf einen Schlag vergessen zu machen. Was es dafür braucht?

  • Granit Xhaka muss Verantwortung übernehmen. Und bereit sein, Risiko einzugehen. Nur für Quer- und Rückpässe braucht es ihn nicht. Seine Fähigkeiten sind mit diesem Sicherheitsstil «verschenkt». Gegen Italien hatte er xmal die Chance, in den freien Raum vorzustossen. Stattdessen beliess er es dabei, im ewig gleichen gemächlichen Tempo im Zentrum herumzutraben – und dann zurück zu Manuel Akanji zu spielen. Xhaka muss als Chef selber dafür sorgen, dass das Schweizer Spiel schnell und in die Länge gezogen wird, die Spielanlage mit Spielern wie Embolo, Shaqiri und Seferovic (oder Gavranovic) hat vertikal zu sein. Mannschaften, die allzu sehr auf Querspielen und Pseudo-Tiki-Taka setzen (Pseudo, weil sie es halt tausend mal schlechter beherrschen als das spanische Original, das so 2010 Welt- und 2012 Europameister wurde), haben heutzutage keinen Erfolg mehr. Dafür sind die gegnerischen Mannschaften defensiv viel zu gut organisiert, die Räume enger als jemals zuvor.
  • Xherdan Shaqiri muss wieder lustvoll Fussball spielen. Egal, wie es Xherdan Shaqiri im Club jeweils ging – wechselte er ins Nationalmannschaftsdress, trat er wie verwandelt auf. Er war oft der Spieler, der für das Geniale zuständig war und den Unterschied ausmachte. Shaqiri hat in 93 Spielen 48 Skorerpunkte erzielt. Zum Vergleich: Bei Granit Xhaka waren es 21 Skorerpunkte in 96 Partien. Die Statistik bestätigt also, was jeder weiss, der die Nationalmannschaft in den vergangenen zehn Jahren sah: Shaqiri ist der wichtigste Spieler im Schweizer Team. Gegen Wales und Italien war von seiner Spielfreude aber nichts mehr zu sehen. Und prompt blieben die Schweizer beim Angreifen blass und ideenlos.
  • Seferovic muss Bälle bekommen und zwar im Zentrum. Wenn einer im Club in der aktuellen Saison 26 Tore schiesst, im Nationalteam aber so gefährlich ist wie ein zahnloser Tiger, dann muss das nicht nur an ihm liegen. Fakt ist, dass Seferovic kaum einen gescheiten Ball ins Zentrum gespielt bekam. Was scharfe, verwertbare Flanken anbelangte, herrschte bei den Schweizern absolute Flaute. Kein Wunder, war auch Gavranovic gegen Italien nach seiner Einwechslung kein bisschen besser. Vermutlich hätte sogar Robert Lewandowski seine Probleme, im Schweizer Team zu Toren zu kommen – so selten, wie das Zentrum vorne angespielt wird.
  • Widmer muss flanken, flanken, flanken. Silvan Widmer überzeugte bei seinen Einsätzen im Schweizer Nationalteam meist. Seine starke Leistung gegen Deutschland mit seinem Tor ist noch in bester Erinnerung. Er ist der beste Flankengeber der Schweizer Aussenspieler. Er ist kopfballstark. Kurz: Es ist absolut richtig, dass er nun an dieser EM die Chance bekommt, von Anfang an zu spielen. In den 90 Minuten muss er flanken, flanken, flanken. Dasselbe gilt für Steven Zuber.
  • Petkovic muss reagieren. Wenn es nicht läuft, muss Nationaltrainer Vladimir Petkovic reagieren, Mut zeigen, vielleicht schon zur Pause eine offensivere Aufstellung aufs Feld schicken.