Blog: Aus der Tiefe des Raums

Zum Blog zurückkehren
Gute Nachrichten für die Schalker Fans: Gross wird Königsblau wieder gross machen (oder zumindest retten)!

Die Prognose mag auf den ersten Blick mutig klingen angesichts der gigantisch anmutenden Erfolglosigkeit von Schalke 04 im vergangenen Jahr. Aber das Bundesliga-Schlusslicht wird den Turnaround schaffen und nicht absteigen – Christian Gross sei Dank. Erst 13 Runden sind gespielt. Somit sind in 21 Runden noch 63 Punkte bis zum Ende der Meisterschaft zu verteilen, da lassen sich die sechs Punkte Rückstand auf Platz 16, der die Rettung bedeuten könnte, locker aufholen.

Mit Gross erst recht. Dem Schweizer ist das Kunststück zuzutrauen. Er war überall erfolgreich, mit Ausnahme seiner Tätigkeit bei den Young Boys – aber das war noch lange bevor Sportchef Christoph Spycher Gelbschwarz auf die Erfolgsspur führte. Wo Gross wirkte, holte er Meistertitel, machte er die Teams europäisch oder bewahrte er als Feuerwehrmann seine Vereine vor dem Abstieg. Man muss ihm nur vertrauen. Er selber, keine Frage, tut dies. Dazu eine Anekdote: Beim FC Basel verlor er 2001 zum Meisterschaftsauftakt gegen Sion mit 1:8 und musste sich vom späteren FCB-Sportchef Georg Heitz, damals noch Fussballberichterstatter (und mein geschätzter Redaktionskollege), in der «Basler Zeitung» die Frage gefallen lassen: «Herr Gross, sind Sie noch im richtigen Beruf?» Gross fand ja, vertraute weiter auf sich selber und wurde mit dem FC Basel in der gleichen Saison Schweizer Meister – der erste Titel für Rotblau seit 1980!

Bei Schalke muss keine Trophäe her, sondern «nur» das simple Vermeiden des Abstiegs. Christian Gross kann das. Weil es weniger um Taktik geht (nicht dass er da irgendwelche Defizite hätte), sondern vor allem um Psychologie. «Er bringt alles mit, um das Ziel zu erreichen: Aura. Erfahrung. Ruhe. Und er hat eine klare Ansage, das wird der Mannschaft helfen», sagt jener Georg Heitz, der ihm damals die Sinnfrage stellte, auf Anfrage. Gross bewies auch Durchsetzungsvermögen und ein feines Gespür für anspruchsvolle Charaktere wie – um ein paar Namen zu nennen – die Gebrüder Yakin, Jürgen Klinsmann, Jens Lehmann oder Zdravko Kuzmanovic. Das kann auch bei Königsblau nicht schaden.

Das Jahr 2020 war für Schalke zum Vergessen. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2021 vieles besser wird, ist Gross.

Ausscheiden verboten!

Die Partie gegen Sofia ist für den FC Basel zweifelsfrei das wichtigste Spiel der Saison. Seit dem Einstieg von Bernhard Burgener waren es die Europacup-Abende, die Rotblau sportlich über Wasser gehalten und die Bilanz für die Verantwortlichen einigermassen erträglich gemacht haben. Als der FCB vor zwei Jahren unter Übungsleiter Marcel Koller gegen Apollon Limassol überraschend ausschied, schrieben die Zeitungen von einem «Trümmerhaufen», vor dem der FCB nun stehe. Tatsächlich folgte eine schwierige Spielzeit mit einer Spieler-Revolte gegen den Trainer sowie dem späteren Rücktritt von Sportdirektor Marco Streller als Tiefpunkten; die Wirren und Zerwürfnisse konnte auch der Cupsieg nicht kaschieren.

Nun ist die Ausgangslage gar komplizierter, die Unruhe im Verein noch grösser – und damit auch der Druck auf alle. Insbesondere Trainer Ciriaco Sforza würde ein Weiterkommen mehr Ruhe verschaffen, nachdem man den Start in die Meisterschaft als verunglückt bezeichnen darf. Ein Sieg würde aber auch die Hoffnung nähren, dass wichtige Spieler wie die Innenverteidiger Alderete und Cömert oder Stürmer Cabral vorderhand beim FCB bleiben. Ohne internationale Partien scheint für sie der Verbleib bei Rotblau eine trostlose Angelegenheit.

Ein Ausscheiden böte überdies den unzufriedenen Fans noch mehr Munition, um gemeinsam gegen die Führungsetage einzustehen. Und schliesslich geht es heute um viel Geld: Die Millionen aus der Europa League kann der FCB dringend gebrauchen. Ohne diese Einnahmen gerät er in einen Teufelskreis: weniger Geld – mehr Spielerabgänge von Qualität – weniger sportlicher Erfolg - mehr Unzufriedenheit in und ausserhalb des Vereins – weniger Geld usw.

Der FCB muss also heute Abend gewinnen. Ohne Wenn und Aber.

Was von Bernhard Burgeners Auftritt im «Sportpanorama» haften bleibt


- Sein Dank an Trainer Marcel Koller «bei dieser Gelegenheit», denn der Zürcher habe einen guten Job gemacht – so gut offenbar, dass die Zusammenarbeit nun unbedingt beendet werden musste.

- Die starke Figur im sportlichen Bereich heisst Percy van Lierop. Dass ihn Burgener im Gespräch mit Moderator Jan Billeter an allererster Stelle nannte, als er von genügend Fachkompetenz beim FCB sprach, nährt den Verdacht, dass der Holländer gar so etwas wie der heimliche Sportchef ist. So ist vermutlich auch zu erklären, dass bis jetzt zwar der neue Trainer da ist, aber noch kein offizieller Sportchef.

- Journalisten sollen, wenn sie etwas erfahren wollen – wo denn auch sonst – direkt ihn, Bernhard Burgener, anrufen. 

- Bis 2017 war Bernhard Burgener der Mann im Hintergrund. Wer mit ihm eines der seltenen Interviews führten durfte, traf auf einen Gesprächspartner, der von einem Thema zum anderen sprang, kaum je einen Satz beendete, weil er bereits wieder bei der nächsten Idee war, die ihm gerade durch den Kopf ging. Burgener gelang es, diese Ideen mit seinen Leuten hinter den Kulissen so zu kanalisieren, dass meist Erfolgsgeschichten darauf wurden. Beim FC Basel ist dies bis jetzt nicht der Fall, wobei die Geschichte noch nicht zu Ende geschrieben ist. Das Spiel ist erst aus, wenn der Schiedsrichter abpfeift – oder Burgener den Bettel hinwirft. Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Obwohl im «Sportpanorama» einmal mehr klar sichtbar war: Bernhard Burgener, der Nachfolger von Sonnenkönig Bernhard Heusler, wäre weiterhin lieber der Mann im Hintergrund.

Marcel Koller hat einen guten Job gemacht

Wenn es um die Bilanz von Marcel Koller geht, dann kann man sich kurz fassen: Auch wenn das letzte Spiel unter ihm, der Cupfinal, verloren ging – Koller hat einen guten Job gemacht. Angesichts der Unruhe im Verein hat er tatsächlich fast schon einen Orden verdient. Der eine oder andere bezeichnete ihn als Langweiler oder mag sich über seine gelinde gesagt sehr zurückhaltende Art geärgert haben. Genau diese äusserlich kühl anmutende Reserviertheit aber brauchte es, um das Feuer auszuhalten, das beim FC Basel unter dem Dach brannte und noch immer brennt. 

Wenn man dem Zürcher einen Vorwurf machen kann, dann jenen, dass er hin und wieder eigentümliche Entscheide bei der Aufstellung traf, die nicht aufgingen. So etwa in der Anfangszeit im Sommer 2018, als er sich auf Zypern arg vercoachte und sein Team gegen Limassol in der Europa League die Segel streichen musste. Er verlor damals bei der Mannschaft abrupt an Ansehen, sodass es wenige Wochen später gar zur Spielerrevolte kam. Umso erstaunlicher, wie er nachher den Tritt fand und bereits in seinem ersten Jahr mit dem Cupsieg den ersten Titel mit dem FCB feiern durfte. Besonders viel Geschick zeigte er, als er Fabian Frei als Captain entmachtete und auf Valentin Stocker setzte. Beide überzeugten in der Folge mit starken Leistungen; dass Frei sich wieder hauptsächlich auf den Fussball konzentrieren sollte, tat ihm gut.

Die diesjährige Saison von Rotblau war in der Europa League, im Cup und mit Abstrichen auch in der Super League ziemlich okay – mit den Abstrichen sind die ärgerlichen Niederlagen gegen die schwächsten Team der Liga gemeint, die den Titel kosteten. Überzeugend auch, wie Koller Spieler wie Campo, Cabral, Petretta oder zuletzt Pululu zu Leistungsträgern machte.

Oft ist es ja so, dass der Wert eines Trainers erst erkannt wird, wenn er wieder weg ist. So wie bei Urs Fischer beispielsweise, der sich ebenfalls dem Vorwurf ausgesetzt sah, dass er sein Team mit Schlafwagenfussball zum doppelten Meistertitel geführt hatte. Als die neue Führung unter Präsident Bernhard Burgener seinen Vertrag nicht mehr verlängerte, Nachfolger Raphael Wicky danach aber deutlich weniger erfolgreich agierte, trauerten viele Anhänger Fischer plötzlich doch wieder nach – der Schlafwagenfussball wurde nun mit zeitlichem Abstand als kompakte, resultatorientierte Taktik gelobt. Zu spät.

Man darf gespannt sein, wie es nun mit Ciriaco Sforza weitergeht; wie auch immer man sich zu ihm stellen mag, eine Chance hat auch er verdient. Dazu an dieser Stelle bald schon mehr. 

Die FCB-Mannschaft des Jahrzehnts (2010 bis heute)

Es ist natürlich nur eine Spielerei, aber genau deswegen auch ein grosser Spass: Das Ausknobeln, wer beim FC Basel in die Mannschaft dieses Jahrzehnts, das sich dem Ende zuneigt, hineingehört. Schnell wird klar: Vor allem offensiv gibt es ein Überangebot an grossartigen Spielern. Weshalb zum Beispiel ein Granit Xhaka oder der sehr konstante Luca Zuffi es nur auf die Ersatzbank schaffen. Überhaupt muss man ein bisschen kreativ sein und vereinzelt Spieler auch auf Positionen schieben, auf denen sie eher selten oder gar nicht auflaufen. Beispielsweise Breel Embolo auf der Achterposition – dort wäre er meiner Meinung dank seiner grossen Wasserverdrängung und gleichzeitig exzellenten Spielübersicht sehr gut aufgehoben. In Juniorenzeiten spielte er oft auf dieser Position. «Pogba oder Drogba?» lautete die Frage, die sein zeitweiliger Betreuer Carlos Bernegger stellte. Spätere Trainer haben sich dann mehrheitlich dafür entschieden, dass er ganz vorne spielt.

Überraschen mag meine Wahl von Jonas Omlin als Torhüter. Aber wie im letzten Blogbeitrag vom 8. Dezember zu lesen war, ist er für mich der beste FCB-Goalie seit langem, besser gar als Yann Sommer und Franco Costanzo.

Berücksichtigt wurden in der Auswahl nur die Leistungen der Spieler und nicht der Kultfaktor. Deshalb schafft es beispielsweise Markus Steinhöfer nicht ins Jahrzehnte-Team. Scott Chipperfield spielte auch noch in diesem Jahrzehnt, aber da war seine Zeit schon vorbei. In die FCB-Mannschaft von 2000 bis 2009 hätte er es jedoch problemlos geschafft, eventuell gar in die rotblaue Auswahl der besten Spieler aller Zeiten. Natürlich ist auch Valentin Stocker eine Diskussion wert, aber das Gedränge vorne ist eben sehr gross. Deshalb findet er sich auf der Bank wieder, immerhin.

Trainer des Jahrzehnts sind für mich Murat Yakin, mit dem der FCB es in den Halbfinal der Europa League schaffte, sowie Urs Fischer, dessen Wert man derzeit bei seiner Arbeit in Diensten von Union Berlin bewundern kann. Thorsten Fink hingegen ist nur Ersatz. Sein Fussball war zwar spektakulär, seine Loyalität zum FCB hingegen spektakulär klein. Sonst wäre er nicht mitten in der Saison zum HSV abgehauen.

Jonas Omlin ist der beste FCB-Goalie seit langem!

Ein bisschen unüberlegt, ich gebs zu, war meine Aussage zu Jonas Omlin in der «Soccer Lounge» auf Sportal HD. Auf die Frage von Moderator Mämä Sykora, ob Luganos Goalie Noam Baumann und FCB-Torhüter Jonas Omlin gleich gut seien, antwortete ich sinngemäss: «Das kann man so sagen (…), wobei bei Omlin die Gefahr besteht, dass er bald weg ist.»

Diese Gefahr ist tatsächlich real – und zwar weil der FCB-Goalie der mit Abstand beste Torhüter der Super League ist. Besser auch als Noam Baumann (damit revidiere ich meine Aussage in der Sendung), auch wenn der seine Sache in dieser Saison sehr gut macht.

Ich gehe sogar noch einen Schritt und behaupte – dieses Mal nicht unüberlegt –, dass Omlin der beste aller Goalies ist, die in den letzten zwei Jahrzehnten das rotblaue Trikot getragen haben. Yann Sommer war super, ein Publikumsliebling und nun bei Gladbach ein so sicherer Wert, dass sein Vertrag soeben bis 2023 verlängert wurde. Franco Costanzo war auf der Linie sensationell stark und Pascal Zuberbühler vor allem in seiner Ausstrahlung für die gegnerischen Stürmer furchteinflössend. Auch in guter Erinnerung: Tomas Vaclik, der nun bei Sevilla Stammgoalie ist.

Der FCB durfte und darf sich also glücklich schätzen, dass er sich hinten jederzeit auf seinen Torhüter verlassen konnte und kann. Jonas Omlin aber ist der Beste von allen: reflexstark auf der Linie, überzeugend bei hohen Bällen und mit gutem Auge und genügend Zielgenauigkeit mit Füssen und Händen für ein konstruktives und schnelles Aufbauspiel: Man achte darauf, wie schnell er jeweils den Gegenangriff auslöst.

«Transfermarkt.ch» gibt seinen Wert derzeit mit 6 Millionen Franken an – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was eine Mannschaft mit ihm erhält. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2022. Der FCB täte gut daran, vorzeitig mit ihm zu verlängern! 

Hier geht’s zur Soccer Lounge auf Sportal HD:

https://sportalhd.com/all/grid/EGaBISgY/lEkUx0ld

Option einlösen und Zhegrova kaufen!

Edon Zhegrova hatte es zu Beginn beim FC Basel schwer: Er sei zu verspielt, wurde ihm von den Kritikern nach den paar Minuten, die er spielen durfte, vorgeworfen. Er dribble zu viel und verpasse den richtigen Moment für den Pass an den Mitspieler – wenn er denn überhaupt abspiele. In den letzten Wochen durfte er nun öfter und länger zeigen, was in ihm steckt. Und das ist viel. Der 20-Jährige bringt viel Schwung ins Spiel der Basler, mit seinen Dribblings, mit seiner Lust, immer etwas Besonderes zu versuchen. Gut, wenn ihn Trainer Marcel Koller in diesen Fähigkeiten bestärkt. Zhegrova soll dribbeln, bis den Gegnern die Ohren wackeln. Er ist einer, der den Unterschied ausmacht. 

Deshalb sollten die Transferverantwortlichen die Option ziehen und Zhegrova unbedingt definitiv von Genk übernehmen. Der Kosovare wird dem FCB noch viel Freude bereiten, das Publikum liebt Spieler, die nicht 08/15 sind – und mit ihm könnte man später einmal richtig viel Geld verdienen.

 

Gestern schrieb ich an dieser Stelle: Fabian Schär muss immer, immer spielen. Gut, dass er dies gestern dann auch durfte, wie man gesehen hat...! Heute muss ein anderer unbedingt spielen: Noah Okafor. Er lieferte letzten Samstag gegen Neuchâtel Xamax einen überragenden Match ab. Okafor gehört in die Startaufstellung im heutigen Cup-Match gegen Sion (20.30 Uhr). Was wäre das für ein Signal, wenn er nach so einer Leistung auf der Bank Platz nehmen müsste? Und: Das Momentum ist im Fussball wichtig. Darauf muss ein Trainer achten. Es gibt viele Beispiele, bei denen ein Trainer das Momentum überhaupt nicht berücksichtigte – und man sich als Aussenstehender nur an den Kopf greifen konnte. Bis heute nicht vergessen habe ich, wie Köbi Kuhn Valentin Stocker nicht für die Heim-EM 2008 berücksichtigte, obwohl der Stürmer beim FCB überragend spielte. Aber Stocker war damals erst 19 Jahre alt. Und noch nicht etabliert. Das gewichtete Köbi Kuhn höher als das Momentum; an der EM sah man dann, dass Stocker sicher ein Gewinn gewesen wäre – so lahm und zahm, wie sich die Schweizer Offensive damals präsentierte.
Besagter Stocker könnte übrigens heute Abend zum Einsatz kommen. Ausgerechnet für Okafor. Allerdings kann auch Stocker das Momentum für sich reklamieren: Gegen Xamax traf er nach langer Durststrecke endlich wieder einmal. Wäre ich Trainer, würde ich mich trotzdem für Noah Okafor entscheiden.