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Tipp 5: Retouchen am Kader sind nötig!

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Dafür muss man aber zuerst benennen, wo die Probleme liegen und wo nicht. Das wollen wir hier tun – mit der nächsten Folge der grossen FCB-Analyse.

5.     Das Kader, die Spieler 

 «Es gibt nichts dazwischen, du bist entweder gut oder schlecht», sagte einst Gary Lineker, Erfinder zahlreicher kreativer Fussballerweisheiten, «wir waren heute so mittel.» Die Spieler des FCB waren in dieser Saison einige Male mittel, manchmal auch richtig schlecht und kaum einmal gut. Alleine verantwortlich sind sie dafür nicht, auch wenn sie auf dem Platz stehen und nicht der Trainer, der Präsident oder das Sportchef-Gremium. Es lief von Anfang an nicht optimal, und irgendwann geriet die Mannschaft in einen Abwärtsstrudel, in den jeder mit hineingerissen wurde. Ausser Goalie Heinz Lindner und vielleicht noch Afimico Pululu hat kein einziger Akteur im rotblauen Dress seine normale Leistung abrufen können. Es handelt sich um ein Kollektivversagen auf dem Rasen, für das aber der einzelne Spieler nicht verantwortlich gemacht werden kann. Er selber spielt ja nicht absichtlich schwach, sondern etwas verunmöglicht es ihm zu zeigen, was er draufhat. Das kann viele Ursachen haben, die aufeinander einwirken und sich so kumulieren, dass jeder Spieler von der Negativspirale mitgerissen wird. Und das macht es schwierig für die Verantwortlichen: An welchen Stellschrauben muss gedreht werden, damit es wieder läuft? Noch schwieriger wird es, wenn sie selber der Hauptgrund sind…

Der FC Basel hat ein Team, das fähig sein müsste, bessere Leistungen abzurufen. Er hat hoffnungsvolle Junge und erfahrene, verdienstvolle Routiniers, die mehr draufhaben, als sie dieses Jahr zeigen. Beispiel Valentin Stocker. Letzte Saison hat er wettbewerbsübergreifend 27 Skorerpunkte erzielt, ein Spitzenwert. Er hat oft den Unterschied ausgemacht. Diese Saison hat er genauso Mühe wie seine Mitstreiter, am augenfälligsten und treffsichersten ist der Captain am Mikrofon. Nun wurde er für eine Woche in die Ferien geschickt. Was das für nächste Saison bedeutet, wird zu sehen sein. Über die letzten Jahre hinweg war er einer der Leistungsträger beim FCB, sein Verlust wiegt schwer.

Oder Fabian Frei: Letzte Saison noch für 30 Tore und Vorlagen verantwortlich, sind es in der laufenden Spielzeit mickrige zwei Pünktchen –und das in 24 Spielen! Es kann mir niemand sagen, dass dieser Leistungsabfall von Stocker und Frei innert so kurzer Zeit mit ihrem fortgeschrittenen Alter zu tun hat, wie immer wieder zu hören ist. Edon Zhegrova war unter Marcel Koller am Ball zeitweise überragend, unter Ciriaco Sforza ist er überragend schlecht. Auch Eray Cömert ist klar schwächer als im Vorjahr. Silvan Widmer hat sich unter Sforzas Vorgänger fix in die Nationalmannschaft gespielt und dort gegen Deutschland gross aufgetrumpft. Diese Saison ist er dem FCB keine Hilfe, nun hat er auch noch Verletzungspech.

Und so weiter. Das muss zu denken geben. Im Hinblick auf nächste Saison sind Retouchen nötig. Verabschieden muss sich der FCB von Aldo Kalulu (nicht Super-League-würdig), Ricky van Wolfswinkel (nach seiner Verletzung nicht mehr der Alte), Andrea Padula (siehe Kalulu), Amir Abrashi (total unnötige Ausleihe), Jasper van der Werff (soll sich anderswo an die Super League herantasten), Jorge (kann dem FCB nach seiner schweren Verletzung kaum helfen). Wackelkandidaten sind Raoul Petretta (stagnierte zuletzt), Luca Zuffi (in den ersten Spielen seit dem Comeback sehr, sehr unauffällig) und Albian Hajdari (das reicht ebenfalls noch nicht für die Super League). Sie sollen die verbleibende Spielzeit dazu nützen, einen Verbleib beim FCB zu rechtfertigen. Timm Klose würde ich behalten: Er ist eine Identifikationsfigur. Er kommt in den Bewertungen zu oft schlecht weg. Zwei, drei Mal war zwar auch er richtig schlecht. Es ist aber davon auszugehen, dass er wieder besser aussieht, wenn das Defensivverhalten der ganzen Mannschaft wie gewünscht funktioniert. Darian Males hat bis jetzt erst zwei Teileinsätze bestritten; eine Bewertung wäre noch zu früh, auch wenn sein Startelf-Einsatz gegen St. Gallen nicht gerade erbaulich war. Am ehesten weggekauft werden in nächster Zeit wohl Eray Cömert und Silvan Widmer – ansonsten ist da niemand im Kader, der sich nach diesen miserablen Darbietungen auf den Notizzetteln der Scouts zwingend aufdrängt.

Es ist also damit zu rechnen, dass das Kader nächste Saison ziemlich anders aussehen wird. Das Leistungsprinzip und die Perspektive müssen bei den Transfers über allem stehen, die Young Boys machen es vor. Vor allem auf den Aussenpositionen muss etwas gehen. Aber auch vorne im Sturm; es darf nicht alles von Arthur Cabral abhängen. Für seine Leistungen ist es ohnehin besser, wenn er sich gegenüber einem Konkurrenten beweisen muss – so wie in der letzten Saison, als Kemal Ademi Druck machte.

Tipp 4 zum Mittwoch: Ein Sportchef muss her!

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie dieser aussehen könnte; Vorwürfe waren ja viele zu lesen, wirklich konkrete, konstruktive Lösungen hingegen kaum. Das soll sich hier ändern, zumindest ist es einen Versuch wert – mit einem täglichen Tipp. 

4.     Der Sportchef 

Der FCB braucht einen Sportchef – und muss den Namen des Verantwortlichen klar und sauber kommunizieren. Derzeit soll ja ein Gremium für diesen Posten verantwortlich zeichnen. Nebst Inhaber Bernhard Burgener selber wirken auch Roland Heri (CEO), Alexander Staehelin (Leiter Strategie und Entwicklung), Ruedi Zbinden (Chefscout), Philipp Kaufmann (Sportkoordinator), Percy van Lierop (Nachwuchschef) sowie Ciriaco Sforza (Coach) mit. In Medienberichten ist auch noch von externen Beratern die Rede, die im ganzen Entscheidungsprozess mitmischen sollen. Das sind viele Köche, die da im Brei herumrühren, und genau so wenig kohärent kommen denn auch die Transfers daher, die der FCB in dieser Saison tätigte. 

Man kann erfolgreich sein ohne Sportchef, der FCB hat dies bewiesen, als Christian Gross Trainer war. Gross duldete niemanden neben sich, sondern füllte das Machtzentrum beim FCB alleine aus; erst als er gehen musste, war der Weg für Georg Heitz als Sportchef frei. Ciriaco Sforza aber ist nicht Christian Gross – und was man über seine Zeit bei den Grasshoppers so hört, soll es ihn überfordert haben, dass er auch noch bei den Transfers mitwirken musste. Man tut ihm also keinen Gefallen, wenn man das auch beim FCB von ihm verlangt. Viel mehr gedient wäre ihm, wenn er einen guten Sportchef zur Seite hätte. Einer, der nach aussen diskret wirkt und sich nicht jedes Mal vors Mikrofon stellen muss, der nach innen aber über ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit und Sozialkompetenz verfügt. Georg Heitz war beim FCB rund um die Uhr erreichbar und für alle Spieler und jedes Problem da. Als Serey Die wegen eines Streites mit Paulo Sousa die Kabine verlassen sollte, sich aber weigerte, war es Georg Heitz, der gerufen wurde. «Jetzt gehe ich», sagte Serey Die zu Sousa und zeigte auf Heitz, «weil vor ihm habe ich Respekt, vor dir hingegen nicht.»  Heitz, mit dem ich zuvor vier Jahre lang bei der BaZ zusammen gearbeitet hatte, war von der Arbeitswut her ein Wahnsinniger, der unglaublich viel – auch Probleme – wegschaufelte, so aber auch jederzeit alle Fäden in der Hand hielt.  

Die Aufgaben eines Sportchefs sind denn auch äusserst umfangreich, sie gehen weit über jene eines Troubleshooters hinaus. Der Sportchef ist für den Spielerkauf und -verkauf zuständig, aber auch für die Führung Trainerstaff, Scoutingabteilung und Medical-Team, die Koordination 1. Mannschaft/Nachwuchs, das Vertragsmanagement (Wann mit wem zu welchen Konditionen verlängern?), die Pflege Netzwerk zu Agenten und Clubs sowie den Kontakt zu Verbänden und Nationaltrainern. Das ist ein Fulltime-Job, der schnell einmal zu einem Burnout führen kann, wie sowohl Alex Frei als auch Marco Streller erfahren mussten. 

Wenn Bernhard Burgener also richtig investieren will, dann sollte er es als Nächstes nicht in einen Spieler, sondern in einen guten Sportchef tun. Sonst könnte es im schlimmsten Fall so kommen wie beim FC Zürich. In der Euphorie des Cupsiegs sagte dessen Präsident Ancillo Canepa 2014, dass man keinen Sportchef mehr benötige, «es läuft ja gut». Zwei Jahre später stieg der FC Zürich ab.

Vorschlag 2 zum Sonntag: Augenmerk auf die Physis

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie dieser aussehen könnte; Vorwürfe waren ja viele zu lesen, wirklich konkrete, konstruktive Lösungen hingegen kaum. Das soll sich hier ändern, mit einem täglichen Tipp.

2.     Die Abteilung Athletik und Leistungsdiagnostik

Die Abteilung Athletik und Leistungsdiagnostik sowie die medizinische Abteilung stehen derzeit mehr im Fokus als auch schon. Vor dem Spiel gegen Lausanne vermeldete der FCB 13 verletzte Spieler – wobei FCB-Präsident Bernhard Burgener im Fernsehinterview eilends betonte, dass «nur zwei davon an muskulären Problemen» litten. Gegen die Waadtländer mussten während der Partie nochmals zwei Spieler – Hajdari und Kalulu – verletzungsbedingt oder wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden, sodass nun die Hälfte (!) des Kaders am Stock geht. Und Goalie Heinz Lindner griff sich am Ende ebenfalls ans Bein (siehe Foto). In diesem Bereich stimmt also definitiv etwas nicht. Was, gilt es von Seiten der Entscheidungsträger schonungslos zu analysieren.

Okay, die Vorbereitung der jetzigen Spielzeit war wegen Covid arg verkürzt. Sforza hatte kaum Zeit, hier Einfluss zu nehmen. Bis zu Weihnachten wiederholte sich ein Muster: Der FCB brach regelmässig nach der Halbzeit ein. Zwischen Weihnachten und Wiederaufnahme des Spielbetriebs hatte der FCB fünf Wochen Pause und damit Zeit, an der Kondition und der Physis zu arbeiten – mit einem neuen Leiter Athletik und Leistungsdiagnostik. Nacho Torreno ging (oder musste gehen), Luis Suarez übernahm; zudem haben gemäss FCB-Kommunikationsdirektor Nicolas Unternehmer und Petra Platteau neu die Co-Leitung der Physio-Abteilung inne. Der Umschwung konnte seitdem noch nicht eingeleitet werden. Woran es liegt, ist für Aussenstehende schwierig zu beurteilen. Augenfällig ist allerdings, dass es den Spielern an Spritzigkeit fehlt. Von körperlicher Dominanz – hier hatte der FCB gegenüber seinen Gegnern in der Vergangenheit oft ein Plus – ist nichts zu sehen. Im Gegenteil.

Und nun kommt noch eine Verletzungsmisere hinzu, die nach ihresgleichen sucht. Weil fürs nächste Spiel gegen St. Gallen auch noch Eray Cömert und Fabian Frei gesperrt sind, muss man sich fragen, ob Sforza überhaupt noch genügend Spieler auf den Rasen zu schicken vermag. Geschickte Transfers hätten in der Winterpause möglicherweise für etwas Entlastung sorgen können. Stattdessen wurde ein Amir Abrashi verpflichtet, der beim SC Freiburg zuvor in 18 Spielen gerade mal 58 Minuten auf dem Feld gestanden und sonst nur auf der Bank gesessen hatte; da darf man sich schon die Frage stellen, ob er für den FCB genügend Spielrhythmus aufweist, um ihm sogleich zu helfen. Wie auch immer – kaum beim FCB ein erstes Mal im Einsatz, verletzte er sich.

Klar, der FCB hat kein Glück, und dann kommt auch noch Pech hinzu. Aber wenn sich die unglücklichen Fälle derart häufen, wird irgendwann ein Muster daraus, das sich nicht nur dem mangelnden Glück zuschreiben lässt. Wenn Aldo Kalulu, den man eigentlich abgeben wollte, bei seinem zweiten Einsatz innert Monaten nach 70 Minuten von Krämpfen geplagt ausgetauscht werden muss, dann passt das in dieses Muster. 

Der Aspekt der Physis muss beim FCB in der Prioritätenliste weit oben stehen. Auch im Hinblick auf die nächste Saison und die künftige Kaderplanung. 

Vorschlag 1 zum Samstag: Der Trainer

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie dieser aussehen könnte; Vorwürfe waren ja viele zu lesen, wirklich konkrete, konstruktive Lösungen hingegen kaum. Das soll sich hier ändern, mit einem täglichen Tipp. 

1.     Der Trainer 

FCB-Besitzer Bernhard Burgener hat soeben wieder klar gemacht, dass Ciriaco Sforza «unser Trainer ist und bleibt». Es ist zu begrüssen, wenn die Vereinsverantwortlichen einem Übungsleiter auch in schwierigen Zeiten das Vertrauen schenken. Aber nicht blindlings: Die Mannschaft zeigte in den letzten Spielen regelrechte Zerfallserscheinungen. Das muss sich blitzschnell ändern. Gelingt Sforza tatsächlich – wider Erwarten – die Wende, kann ihn das auf lange Frist sogar stärken. Siehe Marcel Koller, der anfänglich auch stark kritisiert worden war, am Ende aber (fast) überall geschätzt wurde.

Präsentiert sich die Mannschaft unter Sforza weiterhin so erschreckend schwach wie zuletzt, muss man ehrlich genug sein, um zu sagen: Wir haben dem Trainer eine Chance gegeben und ihm mehrmals das Vertrauen ausgesprochen, aber er hat beide nicht genutzt. Einfach so wie jetzt weiterzumachen, ist gefährlich. Denn die Saison ist noch nicht gelaufen: Der FCB befindet sich leistungsmässig gerade im freien Fall. Das Polster auf den Barrageplatz ist halb so gross wie der Rückstand auf Leader YB. 

Ein Vorschlag zur Güte, falls Sforza den Turnaround in den nächsten Spielen nicht mehr schafft. Hinter einer Trainerentlassung steckt ja auch immer ein menschliches Schicksal. Sforza hat den sicheren Hafen des FC Wil aufgegeben, um sich auf den FCB und ein Himmelfahrtskommando einzulassen – das muss berücksichtigt und belohnt werden. Rotblau beschäftigt ihn deshalb weiter, aber in einer anderen Position. Heisst es nicht immer, er könne die Jungen fördern? Warum soll er das künftig nicht beim FCB-Nachwuchs tun? Vielleicht tut man ihm einen Gefallen damit.

Am Überzeugendsten während und nach der 1:4-Pleite gegen den FCZ war die Reaktion von FCB-Trainer Ciriaco Sforza. Er, der es sonst 90 Minuten lang für nötig hält, seine Spieler von der Seitenlinie aus wie kleine Schulbuben lautstark anzuweisen, strahlte vor den Mikrofonen Ruhe, ja fast schon Gelassenheit aus. «Wir haben noch 21 Spiele», sagte er, «da kann noch viel passen.» 

Allerdings. Es kann noch viel passieren. Und zwar in eine Richtung, die nicht gewünscht ist: abwärts. Schon vor der Winterpause zeigte der FCB erschreckend schwache Spiele. Fünf Wochen hatte Sforza nun Zeit, seine Mannschaft zu justieren, aufzubauen, mit seinen Ideen noch mehr vertraut zu machen. Gesehen hat man davon – nichts. Dem FCB-Spiel krankt es an vielem. Einen Punkt möchte ich jedoch spezieller herausheben:  

Die Spielanlage passst überhaupt nicht! Luca Zuffi sagte es im Pauseninterview: «Wir haben schön von hinten aufgebaut.» Stimmt, der FCB versucht sein Spiel gepflegt von hinten aufzubauen. Und stirbt in Schönheit. Sehr oft nicht mal das – nämlich dann, wenn er beim «schönen Aufbau» Fehler einstreut. Was eben sehr oft der Fall ist. 

Dieser Spielaufbau geht viel zu langsam vonstatten. Dieses ewige hintenherum Spielen hat zwei negative Effekte: Die gegnerische Mannschaft kann sich neu sortieren. Und das eigene Team wird in Trägheit und Passivität eingelullt. Ein Beispiel aus der 63. Minute: Zhegrovas Eckball wird abgewehrt. Der Ball kommt in der Mitte der Zürcher Platzhälfte zu Luca Zuffi. Der nächste Zürcher ist sicher 15 Meter entfernt. Er hat also alle Zeit der Welt, den Ball anzunehmen und ihn in die gefährliche Zone zu spielen. Oder aber selber ein paar Meter nach vorne zu machen und dann in ein direktes 1:1 mit einem Gegner zu gehen und so die Räume zu öffnen. Er aber entscheidet sich ohne Not, den Ball in die eigene Platzhälfte zurück zu spielen, wo Cömert ihn übernimmt und wieder LAAAAANGSAM und eben gepflegt aufbaut. Oder irgendwann dann eben doch nicht mehr: Am Ende bleibt nur noch der hohe, unkontrollierte Ball, den der Gegner mit Leichtigkeit abfängt, falls er nicht bereits im Aus gelandet ist...

Daraus resultierte, dass der FCB zu relativ wenigen Torchancen kam. Cabrals Tor war eine Einzelaktion, bei der er voll ins Risiko ging. Vielleicht sollte Ciriaco Sforza der Mannschaft Bilder aus seinen besten Tagen zeigen, als er der offensive, geniale Spieler war, der den Ball schnell nach vorne trug und so die gegnerischen Reihen aufriss – etwa bei Kaiserslautern oder im Nationalteam im Verbund mit Alain Sutter. Da wurde auf Teufel komm raus Tempofussball gespielt und schnell die gefährliche Zone gesucht. 

Beim FCB ist das Gegenteil der Fall. Wie wenig erfolgreich dieses nervtötende Ballgeschiebe ist, zeigt sich derzeit auch bei Liverpool. Dem Team von Jürgen Klopp geht diese Saison komplett ab, was es so stark gemacht hat: Das vertikale Spiel nach vorne in die gefährliche Zone. Stattdessen wird minutenlang gepflegt hinten aufgebaut. Das Resultat sah man am vergangenen Donnerstag gegen das mediokre Burnley, das aber gut genug organisiert war, um die Liverpooler Offensive mit ihrem horizontalen Spiel zu neutralisieren. 

Der FCB hätte genügend Spieler in den Reihen, um das Spiel nach vorne schnell zu machen. Aber Edon Zhegrova fehlt es derzeit an Selbstvertrauen. Pajtim Kasami versucht zwar etwas zu reissen, ist aber viel zu fehlerhaft und zu oft ohne Auge für den Mitspieler. Fabian Frei hat eine ganz schlimme Körpersprache, bei ihm zählten die Statistiker gegen den FCZ 18 (!) Fehlzuspiele. Stocker ist angeschlagen, und Zuffi braucht natürlich Zeit, bis er wieder der Alte ist – Zeit, die die Mannschaft aber gegenwärtig nicht hat. Silvan Widmer überzeugte unter Marcel Koller durch Sturmläufe an der Seitenlinie, unter Ciriaco Sforza ist davon nichts mehr zu sehen. Cabral wirkt wie ein Fremdkörper in der Mannschaft, kommt aber dank seiner Klasse mit Einzelaktionen trotzdem noch zu Torchancen.  

Die Formschwäche praktisch aller Spieler ist erschreckend und ruft nach einer Erklärung, die Ciriaco Sforza baldmöglichst ergründen muss. Viel kann ihm derzeit ja nicht passieren: Der FCB will sich, so klamm seine Kasse ist, vorläufig sicher nicht einen neuen Trainer leisten. Vielleicht rührt die Ruhe, die Ciriaco Sforza ausstrahlt, von daher.