Tipp 3 zum Montag: Weniger Schimpfis, mehr Demut

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie dieser aussehen könnte; Vorwürfe waren ja viele zu lesen, wirklich konkrete, konstruktive Lösungen hingegen kaum. Das soll sich hier ändern, zumindest versuchen wir es. Mit einem täglichen Tipp. 

3. Die «Fans» 

Die Stimmung rund um den FC Basel ist mies. Nicht auszudenken, was im Joggeli losgewesen wäre, wenn die schwachen Darbietungen, vor allem jene gegen Winterthur, vor vollen Rängen stattgefunden hätten. Eine Ahnung hat man allerdings am Mittwoch nach der Pleite gegen Winterthur erhalten, als ein Mob aus rotblauen Anhängern den Spielern vor dem Stadion auflauerte. Vergleichbare Szenen kennt man aus deutschen Stadien, wo sich die Spieler der Verlierermannschaft wie Schulbuben vor die Kurven stellen müssen, um sich die üblen Beschimpfungen ihrer «Fans» abzuholen. (Ich habe schon mal darüber geschrieben, was ich davon halte: www.awsmedien.ch/blog/warum-steht-ihr-hin-und-hört-euch-das-an)  Kritik ist gut, die Meinungen sind frei, aber alles hat seine Grenzen. Ein gewisses Mass an Anstand muss gewahrt bleiben. Gegenüber den Spielern, denen dieses Resultat selbst am Peinlichsten war. Aber auch gegenüber der Führungsspitze.

VR-Präsident und Besitzer Bernhard Burgener muss sich zeitweilig wie ein Schwerverbrecher fühlen – angeklagt von anonymen Pöblern, die ihren Unmut mit «Hau ab!»-Plakaten kundtun und sich nicht davor scheuen, im Netz Drohungen gegen ihn auszustossen. Nur zur Erinnerung: Für den grössten Tiefpunkt in der Clubgeschichte des FCB – gemeint ist die Schande von Basel 2006 – waren immer noch die eigenen Fans verantwortlich, die sich ach so sehr um das Wohl ihres Vereins sorgen. In peinlicher Erinnerung auch, wie Trainer Urs Fischer 2015 in Basel von den rotblauen Anhängern bei seiner Ankunft empfangen wurde: «Fischer, nie eine vo uns!!», stand auf einem grossen Banner. Eine krasse Fehleinschätzung, die auch von mangelndem Sachverstand zeugt. Heute wären viele FCB-Anhänger froh, Urs Fischer wäre immer noch einer von uns.

Man mag mit guten Grund mit Burgeners Clubpolitik nicht einverstanden sein (darüber wird in einem der nächsten Beiträge zu reden sein), man mag fordern, dass er sich vom Acker macht – aber dann muss man auch bereit sein, eine mehrheitsfähige Lösung zu präsentieren. Ich habe bis jetzt noch von niemandem eine gehört. Ist es besser, wenn am Ende ein chinesischer Investor übernimmt und den «Ef Si Bi» jahrelang bloss via Zoom begleitet? 

Ein gepflegter anständiger Umgang und auch ein wenig mehr Demut bei allen Beteiligten tun dringend not. Besonders in diesen schweren Zeiten. Denn bei vielen Fussballclubs geht es gerade ans Eingemachte.