Tipp 4 zum Mittwoch: Ein Sportchef muss her!

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie dieser aussehen könnte; Vorwürfe waren ja viele zu lesen, wirklich konkrete, konstruktive Lösungen hingegen kaum. Das soll sich hier ändern, zumindest ist es einen Versuch wert – mit einem täglichen Tipp. 

4.     Der Sportchef 

Der FCB braucht einen Sportchef – und muss den Namen des Verantwortlichen klar und sauber kommunizieren. Derzeit soll ja ein Gremium für diesen Posten verantwortlich zeichnen. Nebst Inhaber Bernhard Burgener selber wirken auch Roland Heri (CEO), Alexander Staehelin (Leiter Strategie und Entwicklung), Ruedi Zbinden (Chefscout), Philipp Kaufmann (Sportkoordinator), Percy van Lierop (Nachwuchschef) sowie Ciriaco Sforza (Coach) mit. In Medienberichten ist auch noch von externen Beratern die Rede, die im ganzen Entscheidungsprozess mitmischen sollen. Das sind viele Köche, die da im Brei herumrühren, und genau so wenig kohärent kommen denn auch die Transfers daher, die der FCB in dieser Saison tätigte. 

Man kann erfolgreich sein ohne Sportchef, der FCB hat dies bewiesen, als Christian Gross Trainer war. Gross duldete niemanden neben sich, sondern füllte das Machtzentrum beim FCB alleine aus; erst als er gehen musste, war der Weg für Georg Heitz als Sportchef frei. Ciriaco Sforza aber ist nicht Christian Gross – und was man über seine Zeit bei den Grasshoppers so hört, soll es ihn überfordert haben, dass er auch noch bei den Transfers mitwirken musste. Man tut ihm also keinen Gefallen, wenn man das auch beim FCB von ihm verlangt. Viel mehr gedient wäre ihm, wenn er einen guten Sportchef zur Seite hätte. Einer, der nach aussen diskret wirkt und sich nicht jedes Mal vors Mikrofon stellen muss, der nach innen aber über ein hohes Mass an Glaubwürdigkeit und Sozialkompetenz verfügt. Georg Heitz war beim FCB rund um die Uhr erreichbar und für alle Spieler und jedes Problem da. Als Serey Die wegen eines Streites mit Paulo Sousa die Kabine verlassen sollte, sich aber weigerte, war es Georg Heitz, der gerufen wurde. «Jetzt gehe ich», sagte Serey Die zu Sousa und zeigte auf Heitz, «weil vor ihm habe ich Respekt, vor dir hingegen nicht.»  Heitz, mit dem ich zuvor vier Jahre lang bei der BaZ zusammen gearbeitet hatte, war von der Arbeitswut her ein Wahnsinniger, der unglaublich viel – auch Probleme – wegschaufelte, so aber auch jederzeit alle Fäden in der Hand hielt.  

Die Aufgaben eines Sportchefs sind denn auch äusserst umfangreich, sie gehen weit über jene eines Troubleshooters hinaus. Der Sportchef ist für den Spielerkauf und -verkauf zuständig, aber auch für die Führung Trainerstaff, Scoutingabteilung und Medical-Team, die Koordination 1. Mannschaft/Nachwuchs, das Vertragsmanagement (Wann mit wem zu welchen Konditionen verlängern?), die Pflege Netzwerk zu Agenten und Clubs sowie den Kontakt zu Verbänden und Nationaltrainern. Das ist ein Fulltime-Job, der schnell einmal zu einem Burnout führen kann, wie sowohl Alex Frei als auch Marco Streller erfahren mussten. 

Wenn Bernhard Burgener also richtig investieren will, dann sollte er es als Nächstes nicht in einen Spieler, sondern in einen guten Sportchef tun. Sonst könnte es im schlimmsten Fall so kommen wie beim FC Zürich. In der Euphorie des Cupsiegs sagte dessen Präsident Ancillo Canepa 2014, dass man keinen Sportchef mehr benötige, «es läuft ja gut». Zwei Jahre später stieg der FC Zürich ab.