Vorschlag 2 zum Sonntag: Augenmerk auf die Physis

Der FCB musste in den vergangenen Tagen und Wochen viel Kritik einstecken. Zu Recht. Das 2:6 gegen das unterklassige Winterthur war der Tiefpunkt einer bisher ziemlich verkorksten Saison – und könnte gleichzeitig den Weg für einen Neuanfang freimachen. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie dieser aussehen könnte; Vorwürfe waren ja viele zu lesen, wirklich konkrete, konstruktive Lösungen hingegen kaum. Das soll sich hier ändern, mit einem täglichen Tipp.

2.     Die Abteilung Athletik und Leistungsdiagnostik

Die Abteilung Athletik und Leistungsdiagnostik sowie die medizinische Abteilung stehen derzeit mehr im Fokus als auch schon. Vor dem Spiel gegen Lausanne vermeldete der FCB 13 verletzte Spieler – wobei FCB-Präsident Bernhard Burgener im Fernsehinterview eilends betonte, dass «nur zwei davon an muskulären Problemen» litten. Gegen die Waadtländer mussten während der Partie nochmals zwei Spieler – Hajdari und Kalulu – verletzungsbedingt oder wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden, sodass nun die Hälfte (!) des Kaders am Stock geht. Und Goalie Heinz Lindner griff sich am Ende ebenfalls ans Bein (siehe Foto). In diesem Bereich stimmt also definitiv etwas nicht. Was, gilt es von Seiten der Entscheidungsträger schonungslos zu analysieren.

Okay, die Vorbereitung der jetzigen Spielzeit war wegen Covid arg verkürzt. Sforza hatte kaum Zeit, hier Einfluss zu nehmen. Bis zu Weihnachten wiederholte sich ein Muster: Der FCB brach regelmässig nach der Halbzeit ein. Zwischen Weihnachten und Wiederaufnahme des Spielbetriebs hatte der FCB fünf Wochen Pause und damit Zeit, an der Kondition und der Physis zu arbeiten – mit einem neuen Leiter Athletik und Leistungsdiagnostik. Nacho Torreno ging (oder musste gehen), Luis Suarez übernahm. Der Umschwung konnte seitdem noch nicht eingeleitet werden. Woran es liegt, ist für Aussenstehende schwierig zu beurteilen. Augenfällig ist allerdings, dass es den Spielern an Spritzigkeit fehlt. Von körperlicher Dominanz – hier hatte der FCB gegenüber seinen Gegnern in der Vergangenheit oft ein Plus – ist nichts zu sehen. Im Gegenteil.

Und nun kommt noch eine Verletzungsmisere hinzu, die nach ihresgleichen sucht. Weil fürs nächste Spiel gegen St. Gallen auch noch Eray Cömert und Fabian Frei gesperrt sind, muss man sich fragen, ob Sforza überhaupt noch genügend Spieler auf den Rasen zu schicken vermag. Geschickte Transfers hätten in der Winterpause möglicherweise für etwas Entlastung sorgen können. Stattdessen wurde ein Amir Abrashi verpflichtet, der beim SC Freiburg zuvor in 18 Spielen gerade mal 58 Minuten auf dem Feld gestanden und sonst nur auf der Bank gesessen hatte; da darf man sich schon die Frage stellen, ob er für den FCB genügend Spielrhythmus aufweist, um ihm sogleich zu helfen. Wie auch immer – kaum beim FCB ein erstes Mal im Einsatz, verletzte er sich.

Klar, der FCB hat kein Glück, und dann kommt auch noch Pech hinzu. Aber wenn sich die unglücklichen Fälle derart häufen, wird irgendwann ein Muster daraus, das sich nicht nur dem mangelnden Glück zuschreiben lässt. Wenn Aldo Kalulu, den man eigentlich abgeben wollte, bei seinem zweiten Einsatz innert Monaten nach 70 Minuten von Krämpfen geplagt ausgetauscht werden muss, dann passt das in dieses Muster. 

Der Aspekt der Physis muss beim FCB in der Prioritätenliste weit oben stehen. Auch im Hinblick auf die nächste Saison und die künftige Kaderplanung.